Sprache kann verletzend sein. Zum Beispiel, wenn Menschen als „sozial schwach“ bezeichnet werden. Gemeint ist dann aber etwas ganz anderes.


Erst gestern musste ich wieder von „sozial Schwachen“ lesen. Spiegel Online überprüft in einem Faktencheck einige Äußerungen Heinz Speets, seines Zeichens Geschäftsführer des Textildiscounters „kik“, zum Geschäftsgebahren seines Unternehmens.

Darin heißt es in 4. Arme Deutsche können sich nur Kik leisten unter anderem auch:

Auch wenn es in Deutschland viele sozial Schwache gibt, dürften keineswegs alle von ihnen Kronzeugen für Speets Geschäftsmodell sein wollen.

Sozial Schwache„. Was soll das sein?

Glaubt man der Zwischenüberschrift und den weiteren Ausführungen, so sind wohl Menschen mit geringem Einkommen oder Kaufkraft gemeint:

Das soziokulturelle Existenzminimum bezieht sich auf den Mindestbetrag, mit dem Bürger am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können, Speet bezieht sich dagegen offenbar auf die Zahl von Menschen, die in Armut leben oder von dieser bedroht sind.

Und weiter:

Das „Bündnis für ein menschenwürdiges Existenzminimum“ spricht von etwa „sieben Millionen Menschen, die von einem unzulänglichen Existenzminimum leben müssen“.

Teil des „Bündnis für ein menschenwürdiges Existenzminimum“ ist auch die „Nationale Armutskonferenz in der Bundesrepublik Deutschland„.

Und eben diese Nationale Armutskonferenz hat schon 2013 erklärt, warum „sozial schwach“ auf die Liste der sozialen Unwörter genommen wurde:

Wer kein/wenig Geld hat, ist ökonomisch schwach, aber nicht sozial schwach.

Oder wie es die Hinz & Kunzt ausdrückt:

Gemeint seien damit meistens Menschen, die wenig materielle Mittel haben. Das Problem: Im Begriff schwingt auch ein Urteil über die soziale Veranlagung mit.

Eben. Und Spiegel Online hätte auch einfach eine andere Formulierung verwenden können. Auf meine Kritik habe ich bislang von einem der Autoren leider keine Antwort erhalten.

Traurig: Spiegel Online ist hier kein Einzelfall.

Sprache ist nicht neutral, Sprache bewertet. Vor diesem Hintergrund sollten wir alle Sprache so nutzen, dass sie keine Klischees (re)produziert.
Thomas Beyer, Sprecher der nak

Nachtrag: Was man stattdessen sagen könnte

Es gibt eine Reihe anderer Begriffe, die man verwenden könnte, bzw. die in der Regel gemeint sind:

Bild: Richard Overtoom, Lizenz: CC BY 2.0

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