Promi-Babyglück, Schumacher-News, Wahlergebnisse. Das, was von Nachrichtenseiten landauf, landab so als Eilmeldung veröffentlicht wird, ist manchmal an Trivialität nicht mehr zu überbieten.

Ich weiß nicht mehr genau, wann es begonnen hat. Es muss irgendwann mit den tragischen Ereignissen um den japanischen Tsunami und Fukushima begonnen haben. Das ist in meiner Erinnerung das erste Mal gewesen, dass große und kleine Nachrichtenseiten jeden zweiten ihrer Artikel als „Eilmeldung“ klassifizierten.

Was damals noch eine gewisse Relevanz hatte, das ist heute zu dem häufig armseligen Versuch verkommen, Aufmerksamkeit der Nutzer und Leser zu erhaschen. Da wird alles als Eilmeldung veröffentlich, was nicht bei drei auf dem Baum ist: Wenn das britische Kronprinzenpaar ein zweites Kind erwartet, wenn Michael Schumacher in eine andere Klink verlegt wird oder wenn es eine neue Hochrechnung bei einer Landtagswahl gibt.

Sinnlose Pushmitteilungen runden die vermeintliche Eilmeldung ab, um auch wirklich jeden Nutzer maximal zu nerven. Die schönsten Beispiele sammelt das tumblr dasistkeineeilmeldung.tumblr.com.

Meldungen werden zu Spam

Selbst Medien, die sich bislang mit solchen Eilmeldungen vornehm zurückhielten, spammen ihre Nutzer nun zu. So hat ZEIT Online — ein von mir sehr geschätztes Medium — allein in den letzten 24 Stunden sage und schreibe 5-mal irgendwelche Nachrichten mit eigentlich geringem Nachrichtenwert als „Eilmeldung“ auf der eigenen Facebook Page veröffentlicht.

Was is’n ’ne Eilmeldung überhaupt?

Eine sehr treffende Beschreibung der Eilmeldung findet sich bei Wikipedia:

Die Eilmeldung ist eine Nachricht von Vorrangcharakter und zeichnet sich durch gesteigerten Nachrichtenwert aus. Den Eilmeldungen liegen häufig Naturkatastrophen, Kriegsausbrüche, Terroranschläge oder sonstige überraschende Ereignisse von großer Bedeutung zugrunde.

Um bei ZEIT Online und den fünf „Eilmeldungen“ auf Facebook zu bleiben: Erste Hochrechnungen der Landtagswahlergebnisse in Brandburg und Thüringen haben vielleicht noch Eilmeldungscharakter. Die vorläufigen Endergebnisse schon eher nicht mehr. Der Streik der Lufthansapiloten am Folgetag aber ganz sicher nicht.

Leser als Klickvieh der Verlage

Ich frage mich, wem diese Eilmeldungsquatsch helfen soll; Weder in den sozialen Netzwerken, noch als Push-Benachrichtigungen der entsprechenden Nachrichten-Apps tut es das nämlich nicht.

Leser und Nutzer verkommen immer mehr zum Klickvieh, TKP ist dabei die Währung. So lässt sich wirklich noch der letzte Cent aus einem Artikel herauspressen. Das ist eigentlich ganz schön traurig, zeigt es doch die Hoffnungslosigkeit der Verlage.

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