Foursquare entwickelt sich weiter. Aber in eine Richtung, die ich doof finde. Ich bin daher raus, habe die Foursquare-App gelöscht und meide Swarm.

Eins vorweg: Den Artikel, den ich schreiben wollte, hat gestern schon Richard Gutjahr geschrieben. Ich könnte diesen Artikel hier auch 1:1 zitieren. Dennoch will ich auch in ein paar dürren Worten beschreiben, was Foursquare für mich mal war und was es dann geworden ist.

Foursquare ist für mich ein großartiges Lehrbeispiel für alles, was man in der Digitalen Welt richtig machen und dann komplett versemmeln kann.

Richard Gutjahr

Damals

Angefangen habe ich mit Foursquare erst in 2011 oder 2012. Damals habe ich noch in Kassel gewohnt. Kassel ist eine schöne Stadt, aber nimmt – wenn es um digitale Geschäftsmodelle und deren Nutzung geht – wahrlich keine Vorreiterrolle ein. Außer mir haben Foursquare damals noch gefühlt 50 andere Menschen (regelmäßig) benutzt. Entsprechend schnell hatte ich die Mayorships aller wichtigen Orte ergattert.

Etwas anderes war das dann mit meinem Umzug nach Hamburg. Die App hat mir sehr geholfen, mich in einer – von wenigen Kurzurlauben abgesehen – fremden Stadt zurechtzufinden und neue und schöne Orte zu entdecken. Vielmehr, als Yelp oder Qype das konnten.

Und plötzlich hat Foursquare Spaß gemacht, weil wirklich alle Freunde und Kollegen die App regelmäßig benutzt haben. Und die vielen anderen tausend Nutzer in Hamburg haben das Ergattern von Mayorships zu einem Spiel gemacht haben. Ein Spiel, das so viel Spaß gemacht hat, dass man erstens früher zur Arbeit gefahren ist (um endlich Mayor der Arbeitsstätte zu werden) und zweitens dafür einen Umweg in Kauf genommen hat, um Mayor der „Fähre 62 (moving target)“ zu werden.

Und dann die Badges… Foursquare hat es imho bis heute als einzige App geschafft, blöde bunte Bildchen zu etwas besonderem zu machen. „Schweinshaxn“ Level 2 oder 3 war genauso bedeutsam, wie die Frage, welches Trainspotterlevel man schon erreicht hat. Das hat Spaß gemacht.

From the MTA to the Tube, the Shinkansen to the Trans-Siberian, you’ve ridden them all (or will someday)! Here’s to the beauty of public transit, and to always giving up your seat for the pregnant, elderly, and backpackers who haven’t showered in a week.

Foursquare

Foursquare hat mir Spaß gemacht. So viel Spaß, dass ich mich irgendwann um ein Superuserlevel beworben habe. Ich habe Stunden meiner Freizeit darauf verwendet, Ortsänderungen zu editieren, Fotos zu kuratieren oder doppelte Orte zu löschen.

Und dann kam Swarm…

Leider muss ich nun in der Vergangenheitsform schreiben. Denn bei Foursquare hat irgendwann irgendwer die Entscheidung getroffen, aus Foursquare zwei Apps zu machen: „Swarm“ zum Einchecken und Mayorships bekommen. „Foursquare“ nur noch, um Orte zu entdecken.

Ich habe Swarm ausprobiert, bin mit dem neuen Konzept aber nicht warm geworden. Lustige Badges am Profilbild, die man irgendwie verdienen konnte… Mayorships nur noch im eigenen Freundeskreis… Orange… Keine Ortsempfehlungen mehr… Ich bin dann bei Foursquare geblieben. Mit dem Ergebnis, dass es dann Push-Spam gab. 10-mal am Tag wurde mir per Push mitgeteilt, dass sich irgendwer meiner Freunde über Swarm mit mir treffen will oder ein Event plant. Hat man die Pushs dann geöffnet, war in Foursquare nichts davon zu sehen. Ich habe die Pushs dann irgendwann ganz ausgeschaltet.

Und dann kam die neue Foursquare App

Plötzlich am vergangenen Dienstag konnte ich mit Foursquare nicht mehr einchecken. Jedes Mal wurde mir mitgeteilt, dass man einchecken ab sofort nur noch mit Swarm kann. Am Mittwoch gab es dann die neue Foursquare App. Sieht aus wie flickr, möchte aber Yelp sein.

Seltsame Strategie

Ulrike Langer hat „Swarm“ treffend als „Bad Bank“ bezeichnet, in der all die Funktionen landen, die die Nutzer zwar mögen, mit denen Foursquare aber augenscheinlich kein Geld verdienen kann.

Die neue Foursquare scheint nun der Versuch zu sein, mit Orten und Ortsempfehlungen Geld zu verdienen. So wie Yelp das schon macht.

Mag sein, dass es für eine solche strategische Neuausrichtung gute Gründe geben wird. Ich bin mir aber nicht sicher, ob sie das Unternehmen langfristig zum Erfolg führen wird. Das alte Foursquare war so gut, dass Nutzer alle Datenschutzbedenken über Bord geworfen haben und freiwillig ihren Standort mit der ganzen Welt geteilt haben. Foursquare hatte nützliche und echte Bewertungen, tolle Fotos und war immer für eine Empfehlung gut. Ob das neue Foursquare das auch schaffen wird, dessen bin ich mir nicht sicher. Denn ein neues Yelp brauche ich persönlich nicht.

Für mich jedenfalls ist Foursquare damit tot. Ruhe in Frieden.

Bild: Nan Palmero, Lizenz: CC BY 2.0

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