Ich bin Radfahrer. Und ich wünsche mir mehr Fahrradkontrollen der Polizei. Weil ich finde, dass auch für Radfahrer die Verkehrsregeln gelten.

Seit ich in Hamburg lebe, fahre ich für meine Verhältnisse viel Fahrrad; gut 4 Tage in der Woche fahre ich mit dem Fahrrad zur Arbeit und zurück, das sind pro Tag etwa 10-12km. Und ich habe großen Respekt und Anerkennung vor den Kollegen, die bei jedem Wind und Wetter fahren und dann etwa 12km pro Strecke bewältigen.
Ich finde, dass Hamburg mehr für Fahrradfahrer machen sollte und seine Verkehrspolitik mehr auf eben diese ausrichten sollte. Deshalb fahre ich auch bei der Critical Mass mit und erzähle jedem, wie begeistert ich von den Radwegen in Kopenhagen bin.
Ich bin also irgendwie ein Fahrradfreund.

Und trotzdem wünsche ich mir Fahrradkontrollen der Polizei in Hamburg.

Auch für Radfahrer gelten die Verkehrsregeln

Alle Radfahrer, die ich so kenne, beschweren sich gern darüber, wenn sie von Auto-, Bus- und LKW-Fahrern bewusst nicht ernst genommen werden oder versehentlich übersehen. Auch ich selbst zähle dazu.
[Tweet „Radfahrer tun so, als würden Verkehrsregeln nur für alle anderen gelten“]

Aber wie keine andere Gruppe von Verkehrsteilnehmern tun Radfahrer auch am häufigsten so, als würden Verkehrsregeln nur für alle anderen gelten.

Straße queren bei rot, vor der Ampel rechts überholen. Telefonieren während der Fahrt oder auf der falschen Straßenseite fahren. All das sehe ich tagtäglich auf dem Arbeitsweg und jedes Mal nervt es mich.
All das sind Dinge, die kein Autofahrer tun würde. Selbst bei tiefster Nacht würde kein Autofahrer (oder wenigstens 99,9% von allen normalen) über eine rote Ampel fahren. Auch nicht dann, wenn wirklich nirgends ein anderes Auto fährt. Kein Autofahrer würde in der Stadt mal eben in die falsche Richtung fahren, nur weil die nächste Möglichkeit zum Wenden weiter als 100m entfernt ist.

Fahrradfahrer wollen ernst genommen werden. Vielleicht sollten sie selbst dann auch anfangen andere Verkehrsteilnehmer und die Verkehrsregeln ernst zu nehmen.
Am Ende ist mir egal, wer sich alles tot fährt. Vielleicht bleiben so eines Tages nur die klugen Radfahrer übrig. Aber ich will von den Autofahrern als Radfahrer ernst genommen werden. Und das werde ich nicht, wenn sich mehr als 50% aller Radler wie Idioten verhalten.

Insofern würde ich mir mehr Kontrollen der Polizei tatsächlich wünschen.

Foto: Sascha Kohlmann, CC BY-SA 2.0

3 Kommentare

  1. solange die regelungen des deutschen straßenverkehrs ausschließlich auf die anforderungen motorisierter verkehrsteilnehmer zugeschnitten sind, sind diese für mich unakzeptabel.

    hamburg nimmt hier eine herausragende rolle ein, fast keine andere stadt in deutschland ignoriert bedürfnisse von fahrradfahrern so konsequent wie die hanseaten.

    in den letzten jahren wurde 3 mal von autos angefahren weil die fahrer/innen unachtsam waren. zum glück ist nie etwas schlimmes passiert!

    • Grundsätzlich stimme ich dir zu, was die Beachtung von Radfahrern angeht und die verkehrspolitische Umsetzung ihrer Wünsche und Anforderungen.

      Deine Schlussfolgerungen hingegen finde ich grundfalsch. Denn die Missachtung von Ampeln und Vorfahrtsregeln etwa löst an diesem Grundproblem ja nichts. Auch Autofahrer wünschen sich Grünwellen. Trotzdem bleiben sie an roten Ampeln stehen.
      Die Missachtung von Verkehrsregeln führt imho aber nur dazu, dass das Unverständnis zwischen den Verkehrsteilnehmern steigt. Und das kann nicht gut sein.

  2. Pingback: Grün oder Rot – Kenn den tödlichen Unterschied › CMD-A

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