Ziemlich genau acht Wochen ist es nun her, dass unsere Tochter geboren wurde. Acht Wochen, in denen sich mein und unser Leben um 180 Grad gedreht hat. Nichts ist wie vorher, aber das ist gar nicht schlimm.

Wie oft wurde ich „gewarnt“. Dass mit Kind alles anders würde. Dass wir die Zeit zu Zweit nutzen sollten, so lange es noch ginge. Dass nichts mehr jemals so werde wie bisher.

Vor neun Wochen noch, hing mir dieses Gerede doch ein wenig aus den Ohren. Da war das Warten auf den Tag X viel wichtiger.

Ja, vielleicht wird mit Kind alles anders. Aber so schlimm ist es als Elternteil ja offenbar – Ich kenne nur Menschen, die mit ihrer Situation mit Kind/ern doch weitestgehend glücklich sind. – auch nicht. Und selbst wenn alles anders wird: Die Entscheidung für ein Kind war ja eine bewusste.

Heute, einige Wochen später weiß ich: Ja, stimmt. Alles ist anders! Aber deshalb nicht schlechter…

Schrecklich schön, schön schrecklich

Für Ninja und mich stand von Anfang an fest, dass wir die Geburt gemeinsam erleben wollen. Ohne, dass wir darüber sprechen mussten, stand immer ganz automatisch fest, dass wir dieses Erlebnis auch gemeinsam meistern wollen.

Klar weiß man vorher nie wie’s wird. Zwar hat man Vorstellungen und Wünsche, wie die optimale Geburt ablaufen soll. Am Ende kommt aber sowieso immer alles anders.

Das war bei uns nicht anders. Vorstellungen und Realität lagen zwar nicht an den beiden gegensätzlichen Endpunkten einer Skala, sie waren aber auch nicht die besten Freunde. Ohne ins Detail gehen zu wollen: Wir waren am Ende froh, dass es eine natürliche Geburt geblieben ist, obwohl es zwischenzeitlich ziemlich unschön wurde.

Mir wird die Geburt daher wohl auch immer im Gedächtnis bleiben. Weil es gleichzeitig das Schrecklichste, als auch das Schönste war, was ich jemals erlebt habe.

Schrecklich, weil ich meine Frau noch nie so leiden gesehen habe. Und nichts tun konnte – außer ihr zuzureden – um ihren Schmerz zu lindern.
Schön, weil – obwohl man das schon gefühlt hunderte Male im Fernsehen gesehen hat – es ein erhabenes Gefühl ist, wenn da ein ganz neuer Mensch zum ersten Mal blinzelnd die Augen öffnet und man ein winziges Herz auf der eigenen Brust schlagen spürt.

Schlaf? Überbewertet.

Was sich seit diesem Moment vor acht Wochen am meisten verändert hat, ist wohl meine & unsere Schlafsituation. Früher sind wir unter der Woche häufig um halb 11 Uhr abends ins Bett gegangen um erholt am nächsten Morgen gegen 7:00 oder 7:30 Uhr aufzustehen. Am Wochenende haben wir uns häufig gegönnt, auch mal bis 10 Uhr oder sogar 11 Uhr morgens einfach liegen zu bleiben.

Das ist alles anders.

Zwar gehen wir immer noch zwischen 22:00 und 23:00 Uhr irgendwann ins Bett. Dann dauert das Einschlafen aber manchmal ein wenig und nachts werden wir mindestens einmal – häufig zwischen 3:00 und 5:00 Uhr – liebevoll angeschrien; Weil die Windel voll oder der Magen leer ist. Spätestens drei Stunden nach dieser ersten Pause (also irgendwann zwischen 6:00 und 8:00 Uhr) beginnt dann ein neuer Tag.

Das mit dem Aus- und Durchschlafen ist vorbei. Und dieser Luxus wird einige Jahre wohl auch nicht wiederkommen.
Das ist zwar belastend, fällt mir erstaunlicherweise aber nicht so schwer, wie ich das vor der Geburt immer befürchtet habe.

Bitte nicht so spontan

Und auch das hat sich geändert: Jeder Ausflug, jede Verabredung ist aktuell noch mit sehr viel Planung verbunden. Mal spontan ganz schnell nach Ottensen, das klappt nicht mehr. Denn dann kommt immer etwas dazwischen. – In der Regel – wie überraschend! – eine volle Windel oder ein leerer Magen.

Und wenn die Planung mal nicht so klappt, wie vorgesehen und es plötzlich hektisch und stressig wird, dann gibt es sofort die Quittung: Indem der gerade gefüllte Magen schlagartig auf das frisch angezogene Shirt von Vater oder Mutter entleert wird. Dann kommt man erst recht zu spät zur Verabredung.

Aktuell heißt es deshalb häufig um Verständnis zu werben. „Wird ein bisschen später.“ oder „Wir verspäten uns um 5 bis 45 Minuten.“ schreibe ich regelmäßig an Freunde und Verabredungen. Und aktuell klappt das noch ganz gut mit der Nachsicht, insbesondere wenn die Versetzten selbst Kinder haben.

Und dennoch hoffe ich, dass wir in einigen Monaten hier Freiheitsgrade zurückgewinnen werden.
Wenn man die heutige Situation jedoch mit der ersten Woche vergleicht und die bisherige gute Entwicklung auf die Zukunft überträgt, dann bin ich zuversichtlich, dass sich dieser Wunsch erfüllen wird.

Die größte Liebe meines Lebens

Ich weiß noch, wie es war, das erste Mal verliebt zu sein. Bei jedem Foto, jedem Wort der Angehimmelten wurd’s flau im Magen. Dieses Gefühl gibt es auch bei meiner Frau. Und jetzt neu bei meiner Tochter.

Jedes Foto während der Arbeitstage verursacht dieses Kribbeln. Jedes Lächeln und Lachen nach einer anstrengenden Nacht. Und jedes Trösten und Beruhigen bei Unwohlsein und Schmerzen aller Art irgendwie auch.

So anstrengend diese ganze Kindersache in den letzten acht Wochen auch war und so häufig genervt, gestresst und am Ende meiner Kräfte ich auch war: Ich empfinde für meine Tochter vor allem – nein, eigentlich ausschließlich! –Liebe.

Und dieses Gefühl unendlicher Liebe entschädigt sehr für alle Entbehrungen und Veränderungen, die es in meinem Leben so gibt.

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